Kurs 7.1, 7.2 und 7.3
Weiterbildung zum Frühförderer und zur Frühförderin für blinde und sehbehinderte Kinder Modul 7 Marburg 2018

Kurs 7.1, 7.2 und 7.3

KURS 7.1
Bewegungsentwicklung/Orientierung und Mobilität 
(36 Std.) 
Die Entwicklung der selbstständigen Bewegung dient als wesentliche Voraussetzung für die Fähigkeit der eigenständigen Orientierung und Mobilität (O&M). Die Förderung der Bewegungsentwicklung ist dabei für blinde Kinder ein unverzichtbarer Arbeitsschwerpunkt in der Frühförderung. Deshalb wird anhand von Selbsterfahrungselementen bzw. Simulationen mit der Augenbinde zunächst eine genaue Analyse der Entwicklungslogik und -dynamik der sensomotorischen Entwicklung des Neugeborenen bis zur Fähigkeit des freien Gehens vermittelt. Dabei wird die Bedeutung der Funktionseinheit von Wahrnehmung und Bewegung besonders hervorgehoben.
Als Grundlage für die Förderung der O&M im Kleinkind- und Vorschulalter werden wesentliche Grundfertigkeiten und Fähigkeiten wie sehende Begleitung, Körperschutztechniken, Drehungen, Ausrichten, Gehen an und mit taktilen Leitlinien und akustischen Orientierungspunkten, freies Gehen, Ausnutzung von Schallprinzipien, Gebrauch von Mobilitätshilfen und Orientierungsprinzipien praktisch vermittelt und unter der Augenbinde erprobt. Möglichkeiten und Grenzen der Übertragung dieser Erfahrungen und Kenntnisse auf die praktische Arbeit in der Frühförderung werden dabei vorgestellt und diskutiert.
Das Kennenlernen blindengerechter Gestaltungsmöglichkeiten für den Innen- und Außenraum und die Umgebungsanalyse nach O&M -  Kriterien sind weitere Themen in diesem Kurs.
Anhand konkreter Fallbeispiele und Videodokumentationen werden die spezifischen Ziele, Inhalte und Methoden der Förderung der O&M im Kleinkind- und Vorschulalter vertieft (z.B.: Erlernen erster Wege durch Entlanggehen an Wänden/Möbeln, akustisches Lokalisieren und Folgen von Personen, Nutzung markanter Orientierungspunkte, Einführung alternativer/adaptierter Mobilitätshilfen)
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Kursort Blindenstudienanstalt Marburg
Termin 23.09. 10-7.30 h /24.09:8.30-17 h / 25.09.: 9-16.45 h / 26.09.; 9-17.15 h / 27.09.: 9-12.45 h (36 Std.)
Referent Dr. Werner Hecker, Marburg
Teilnehmerzahl maximal 20 Personen
 
Teilnahmebeitrag  498 € (inkl. Augenbinde)

KURS 7.2
Feinmotorik und lebenspraktische Fähigkeiten (16 Std.) 
Das Erlernen und die Ausführung lebenspraktischer Fähigkeiten, wie z. B. das Essen und Trinken oder das An- und Ausziehen, erfolgen normalerweise unter visueller Kontrolle. Durch die Beobachtung ihrer Eltern oder größerer Geschwister erhalten sehende 
Kinder zudem wesentliche Anreize und "Vorbilder" dafür, "es selber machen" zu wollen. Durch die Einschränkungen der visuellen Bewegungssteuerung und des Beobachtungs- und Imitationslernens ist der Erwerb lebenspraktischer und feinmotorischer Fertigkeiten 
für blinde und hochgradig sehbehinderte Kinder deutlich erschwert und setzt eine gezielte Förderung und Anleitung voraus. Die Förderung der lebenspraktischen Fähigkeiten trägt gleichzeitig dazu bei, Förderziele aus anderen Entwicklungsbereichen, wie z. 
B. der Feinmotorik, der Orientierung oder der Begriffsbildung "alltagsnah" umzusetzen. Im Verlauf des Kurses erfolgt durch Simulationen mit der Augenbinde zunächst eine Sensibilisierung für blindenspezifische Grundprobleme im Bereich lebenspraktischer 
Fertigkeiten. Es werden übergreifende Prinzipien zur Förderung der lebenspraktischen Fähigkeiten und der Feinmotorik im Kleinkind- und Vorschulalter vermittelt (z. B. Einbettung in den Alltag, Prinzip der Konsistenz, verbale Begleitung von Handlungsschritten 
u.a.). Auf dieser Grundlage wird die Handlungsanalyse als eine wesentliche Methode zur Planung und Durchführung der konkreten Förderung vorgestellt und anhand praktischer Beispiele erprobt. Die Reflexion der vermittelten Inhalte und ein ausführlicher Er-
fahrungsaustausch zu Tipps, Tricks und Methoden zur Förderung lebenspraktischer Fähigkeiten schließen diesen Fortbildungsteil ab. 

Kursort Blindenstudienanstalt Marburg
Termin 20.11.; 10.00‐17.15 Uhr; 21.11.; 08.30‐17.15 Uhr
Referent Sigrun Hartmann & Rehabilitationsfachkräfte der blista
Teilnehmerzahl maximal 20 Personen
Teilnahmebeitrag  216 €

KURS 7.3 
Kognitive Entwicklung und Spielverhalten (16 Std.) 

Auf der Grundlage einer Auseinandersetzung mit Piagets Modell zur kognitiven Entwicklung im Kleinkind- und Vorschulalter werden zunächst Möglichkeiten der Diagnostik der frühen kognitiven Entwicklung bei normalsichtigen Kindern vorgestellt und auf ihre Fruchtbarkeit für die Diagnostik und Förderung blinder und sehbehinderter Kinder überprüft.
Ein Überblick über den Forschungsstand zur kognitiven Entwicklung blinder Kinder soll weitere Hinweise auf mögliche Problembereiche, diagnostische Kriterien und relevante Förderschwerpunkte im Bereich "Kognition" liefern. Darauf aufbauend sollen wesentliche Inhalte und Vorgehensweisen zur Förderung der frühen kognitiven Entwicklung bei blinden und sehbehinderten Kindern entwickelt werden.
Aufgrund der zentralen Bedeutung des Spiels als Motor und Ausdruck der kognitiven Entwicklung wird die Diagnostik und Förderung des Spielverhaltens dabei einen wesentlichen Schwerpunkt darstellen (z. B. Förderung bestimmter Spielformen, wie z. B. relationale Spiele oder das Symbolspiel, geeignete Spielmaterialien, blinden- bzw. sehbehindertengerechte Adaptation von Spielen).

Kursort Blindenstudienanstalt Marburg
Termin 22.11.; 09.00‐17.30 Uhr 23.11.; 08.30‐16.30 Uhr
Referent Dr. Werner Hecker und Kerstin Schäfer
Teilnehmerzahl maximal 20 Personen
Teilnahmebeitrag  216 €