W07
Heilpädagogische Arbeit mit Menschen mit Behinderung
Wer im heilpädagogischen Kontext arbeitet, begibt sich auf ein sehr vielfältiges, z.T. höchst ambivalentes Arbeitsfeld. Da kann man sich, wie im Leben bei anderen Feldern auch, ziemlich schnell verirren, seine Arbeit gut machen wollen und trotzdem nicht erfolgreich sein. Das heilpädagogische Feld ist im Vergleich zu anderen Berufsfeldern ziemlich vielgestaltig, was zum einen seinen Reiz ausmacht, zum anderen aber die Arbeit auch erschwert. Allein die unterschiedlichen Ansprechpartner bedingen dies. Neben dem (1) behinderten Menschen gehören die (2) anderen Fachkollegen wie auch die (3) eigene Person mit zu den wichtigsten Adressaten, aber auch die (4) Angehörigen und die (5) Gesellschaft insgesamt zählen hinzu. Alle diese sind nie nur unsere „Befehlsempfänger“, sondern als Partner anzusehen, mit denen wir zusammenarbeiten.
Bei jeder Wanderung über freies Feld bedarf es einer Ausrichtung, zumindest aber eines Kompasses, den man zur Not befragen kann. Und wenn das Feld nicht frei, sondern vorstrukturiert ist, muss man nach Wegen fragen, um sich darin nicht zu verheddern.
Die Ausrichtung ergibt sich zum einen aus dem, was man selbst in seinem speziellen Beruf konkret wie auch prinzipiell darüber hinaus verwirklichen will, aber auch aus dem, was die jeweils anderen benötigen oder auch sich wünschen. Die Basis ist unsere Haltung dem Menschen, dem Leben wie der Welt gegenüber und unser Tun „Helfen“.
Wir arbeiten nicht im luftleeren Raum, so wie kein Feld und keine Wiese für sich bestehen können, sondern immer auch Teil unserer Erde sind. Auch unsere heilpädagogische Arbeit findet auf der Erde und mitten in der Welt statt. Zu ihr müssen Verbindungen gestiftet werden, sog. Weltbeziehungen, damit „Resonanzen“ (Hartmut ROSA) entstehen.
Unsere Arbeitsmittel sind vorrangig die Sprache neben der Berührung und dem Handling. Zeigen, Vormachen, Erklären gehören zu den wichtigsten Methoden neben kommunikativem Bemühen wie Loben und Korrigieren, Abwehren und Begrenzen. Europäische Kultur basiert auf dem DU, selbst wenn wir zwischendurch das WIR ansteuern. Davon ist die heilpädagogische Arbeit geprägt.
Voraus ist eine Reihe von Grundsatzfragen zu klären:
Was bedeutet Entwicklung? Veränderung oder Wandel?
Was verstehen wir unter Leistung bzw. Erfolg?
Wie interpretieren wir Schwäche bzw. Stärke?
Wieviel Selbstsein halten wir für notwendig und wieviel Integration?
Was meint Normalität und wann ist etwas eine „Störung“?Eine wichtige Feststellung gilt es am Ende zu beachten: anderen hilfreich sein kann nur jener, der etwas zu teilen und mitzuteilen hat - Verstehen jeweils vorausgesetzt.
Mit all diesen Fragen befassen wir uns bei einer Fortbildung im März 2o17.
Eingeladen sind berufserfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!
(oder genau das Gegenteil: Anfänger und solche mit noch geringer Berufserfahrung)
Kursleitung: Dr. Dieter Fischer, Dozent;
Termin: Freitag, 10.02.17, 09:00 – 17:00 Uhr
Dauer: 7 Stunden
Ort: Blindeninstitut Würzburg, Haus 5
Anmeldeschluss: 10.01.17